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Zu Gast in der Abtei Maria Frieden Kirchschletten

Äbtissin Sr. Mechthild Thürmer OSB vor ihrer Abtei Maria Frieden Kirchschletten
Äbtissin Sr. Mechthild Thürmer OSB vor ihrer Abtei Maria Frieden Kirchschletten

“Was machst du fünf Tage im Kloster, in der Abtei Maria Frieden Kirchschletten?“ Diese Frage höre ich oft, wenn ich nach Kirchschletten aufbreche. Fünf Tage ohne Programm, ohne Ziel und ohne Ablenkung. Das ist ein bisschen wie ein leerer Tisch, an den man sich erst einmal setzt, um zu spüren, was wirklich fehlt.

Ich komme nicht zum ersten Mal nach Kirchschletten bei Zapfendort im Landkreis Bamberg. Der Weg in das kleine oberfränkische Dorf mit seinen knapp 100 Einwohnern ist mir vertraut. Die Strecke ist weniger eine Fahrt als vielmehr stilles Ankommen. Ich steige aus dem Auto, lasse Tempo, Lärm und Dringlichkeit hinter mir.

Mitten im Gottesgarten der Fränkischen Schweiz

Blick über winterliche Felder zum Staffelberg, im Gottesgarten der Fränkischen Schweiz nahe der Abtei Maria Frieden Kirchschletten
Blick über winterliche Felder zum Staffelberg

Kirchschletten liegt nur wenige Kilometer von Vierzehnheiligen, Kloster Banz und dem Staffelberg entfernt, jener Landschaft, die Scheffel als „weiten Gottesgarten“ beschrieb, durch den die Wallfahrer ziehen. Die Nähe ist spürbar, im Rhythmus der Hügel, im Wechsel von Stille und Weite, in der Selbstverständlichkeit, mit der sich hier Glaube und Landschaft berühren.

Die Abtei Maria Frieden: Geschichte und Gegenwart

Die Benediktinerinnenabtei Maria Frieden, zwischen Bamberg und Bad Staffelstein gelegen, ist das einzige Benediktinerinnenkloster der Erzdiözese Bamberg. Der zweigeschossige Dreiflügelbau aus dem 17. Jahrhundert diente einst den Bamberger Fürstbischöfen und wechselte mehrfach den Besitzer, bis Abt Emmanuel Maria Heufelder von Niederaltaich ihn 1953 für eine Klostergründung übergab. Die Gemeinschaft, 1931 auf den Philippinen gegründet, fand hier eine neue Heimat. Zunächst kamen philippinische, später auch japanische und deutsche Schwestern. 1973 wurde das Kloster zur Abtei erhoben.

Altarraum der Abteikirche Kloster Maria Frieden Kirchschletten, ein Ort der Stille inmitten des klösterlichen Alltags von Gebet und Arbeit
Der Altarraum ist ein Ort der Stille

Seit 2011 leitet Äbtissin Sr. Mechthild Thürmer OSB die Abtei. Bekannt wurde sie, weil sie zwischen 2015 und 2020 rund 30 Menschen im Kirchenasyl vor der Abschiebung bewahrte. 2021 erhielt sie dafür den Göttinger Friedenspreis. Auf die Frage nach ihrer Motivation sagte sie einmal, es sei für sie selbstverständlich gewesen. Die Verfahren gegen sie wurden eingestellt. Wer heute nach Kirchschletten kommt, spürt diese stille Entschlossenheit überall: Gastfreundschaft ist hier keine Floskel, sondern gelebte Praxis.

Ora et labora: der Alltag im Kloster

In der Abtei gelten Regeln, die älter sind als unser Kalender. Seit Benedikt von Nursia prägt „ora et labora“ den Tag: Beten und Arbeiten. Die Gebetszeiten rahmen den Tag, ich kann teilnehmen, oder es lassen. Freiheit entsteht hier nicht durch Auswahl, sondern durch Einfachheit.

Die Gäste essen gemeinsam am großen Tisch. Die Mahlzeiten, schlicht und gut, bestehen überwiegend aus Produkten der eigenen ökologischen Landwirtschaft. Ich werde versorgt. Wer möchte, hilft mit: Nüsse sortieren, Kerzen zählen in der Wachswerkstatt, Inventur im Klosterladen. Auch die Gespräche sind anders. Niemand fragt nach Beruf oder Status, sondern: Woher kommst du? Warum bist du hier? Was suchst du?

Übernachten und in der Abtei Maria Frieden zu Gast sein

Geöffnetes Torportal der Abtei Maria Frieden Kirchschletten
Das geöffnete Torportal der Abtei Maria Frieden, stiller Willkommensgruß an alle Gäste

Die Abtei bietet zwei Gästehäuser. Haus Benedikt, 1982 eingeweiht und direkt neben dem Hauptgebäude, verfügt über 25 Betten in Einzel-, Doppel- und einem Dreibettzimmer sowie ein barrierefreies Zimmer. Die Pilgerherberge und das Gästehaus Edeltraud, benannt nach der Klostergründerin Äbtissin Edeltraud Danner und 2015 im ehemaligen Schulhaus eröffnet, bietet 20 Betten. Es richtet sich besonders an Familien, Jugendgruppen und Jakobuspilger. Ein Kräutergarten steht zur freien Nutzung bereit.

Die Preise hängen von der Zimmerausstattung und der Aufenthaltsart ab. Pilger, Schüler, Studierende und Auszubildende erhalten auf Anfrage Ermäßigungen. Für „Kloster auf Zeit“-Aufenthalte mit Mitarbeit gelten eigene Konditionen. Genauere Informationen gibt die Abtei direkt.

Was bleibt nach fünf Tagen in der Abtei Maria Frieden Kirchschletten

Ich muss nicht auf einer offiziellen Route sein, um in Kirchschletten anzukommen. Es reicht, einfach innezuhalten. Vielleicht komme ich deshalb immer wieder hierher. Nicht, weil es Antworten gibt, sondern weil die Fragen leiser werden Fünf Tage ohne Programm, ohne Anspruch und ohne Ziel ordnen mehr als jede Reise. Im Gottesgarten von Kirchschletten ist nichts los, und genau darin liegt sein Reichtum. Man wird satt, man arbeitet, man unterhält sich oder man schweigt. Man gehört für eine Weile dazu und spürt, dass Gott nicht laut sein muss, um gegenwärtig zu sein. Wenn man geht, nimmt man nichts mit außer etwas, das im Alltag selten geworden ist: das Gefühl, dass es reicht. Im April traf ich dort eine Frau, die mit genau meinem Zeitungsartikel kam, über fünf Tage im Kloster, erschienen im „Fränkischen Tag“. Sie sei, sagte sie, nur seinetwegen gekommen. Vielleicht ist das die beste Antwort auf die Frage, was man in Kirchschletten eigentlich sucht.

Kompakt-Infobox

– Adresse: Abtei Maria Frieden, Kirchschletten 30, 96199 Zapfendorf
– Telefon: 09547 9223-0, E-Mail: gaestehaus@abtei-maria-frieden.de
– Website: abtei-maria-frieden. de
– Einzelgäste, Paare, Gruppen, Pilger, auch für Nicht-Gläubige offen
– Verpflegung: Vollverpflegung mit Produkten aus eigener Landwirtschaft
– Lage: Zwischen Bamberg und Bad Staffelstein, nahe Vierzehnheiligen, Kloster Banz, Staffelberg
– Anreise: Mit dem Auto, per Bus/Bahn erreichbar, am Mainradweg gelegen
– Preise: Ab ca. 28 bis 30 Euro pro Nacht, Ermäßigungen für Pilger, Schüler, Studierende

Häufige Fragen

Kann man auch ohne Glauben in der Abtei Maria Frieden übernachten? 
Ja, die Gästehäuser stehen ausdrücklich auch Nicht-Gläubigen offen. Die Teilnahme an den Gebetszeiten ist möglich, aber nicht verpflichtend.

Was kostet ein Aufenthalt im Kloster Kirchschletten? 
Die Preise variieren je nach Zimmer und Aufenthaltsform. Richtwerte liegen bei etwa 28 bis 30 Euro pro Nacht. Genauere Auskünfte gibt die Abtei direkt.

Wie weit ist es von Kirchschletten nach Vierzehnheiligen? 
Nur wenige Kilometer trennen das Dorf von der Wallfahrtskirche, dem Kloster Banz und dem Staffelberg. Ein Ausflug lässt sich gut mit dem Klosteraufenthalt verbinden.

Muss man während des Aufenthalts mitarbeiten? 
Nein, Mitarbeit ist freiwillig. Wer möchte, kann in der Wachswerkstatt, im Klosterladen oder in der Landwirtschaft helfen, verpflichtend ist das nicht.

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