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Vexierkapelle Reifenberg – ein Ort, der sein Geheimnis nicht sofort zeigt

Blick auf die Fränkische Schweiz und dem Walberla von Reifenberg

Die Vexierkapelle Reifenberg oberhalb von Weilersbach im Landkreis Forchheim leuchtet mit ihren weißen Mauern weit über das Wiesenttal hinaus. Im Frühling und Sommer heben sie sich vom frischen Grün besonders schön ab, im Winter bildet der tiefblaue Himmel eine weite Kulisse hinter dem kleinen Kirchlein. Das Schöne in Franken ist, dass oft nur kurze Entfernungen nötig sind, bis die Welt eine völlig andere ist.

Vexierkapelle Reifenberg
Vexierkapelle Sankt Nikolaus Reifenberg

Was ist die Vexierkapelle Reifenberg?

Die Vexierkapelle Reifenberg — offiziell die Kirche Sankt Nikolaus — liegt auf etwa 453 Metern Höhe im oberfränkischen Landkreis Forchheim, hoch über dem Wiesenttal, an einem südlichen Bergvorsprung der Hochebene Lange Meile. Sie ist eine Filiale der Pfarrei Kirchehrenbach und heute vor allem als stille Aussichtskanzel und beliebte Hochzeitskirche bekannt, schließlich gilt der heilige Nikolaus auch als Patron der Brautleute.

Die Geschichte: Burg, Bischöfe und ein Kirchlein aus der Not

Wo heute die Vexierkapelle steht, stand einst eine mächtige Burg der Edelherren von Reifenberg, deren Geschlecht aus dem bayerischen Ettling im Landkreis Ingolstadt stammte. 1140 tauchte der Name Reifenberg erstmals in Urkunden auf. 1160 bestätigte Kaiser Friedrich I. dem Bischof Eberhard II. von Bamberg den Besitz der Burg, und 1185 bestätigte Papst Lucius III. ihn dem Hochstift Bamberg. Im Hussitenkrieg wurde die Burg 1430 beschädigt und nur teilweise wieder aufgebaut. Erstmals urkundlich erwähnt wurde eine Kapelle auf dem Reifenberg 1460, zusammen mit der Burg, 1504 auch mit Sankt Nikolaus als Patron.

Blick auf die Fränkische Schweiz und dem Walberla von Reifenberg
Vexierkapelle Sankt Nikolaus in Reifenberg

1608 bis 1612 ließ der Kirchehrenbacher Pfarrer Friedrich Bernhard aus eigenen Mitteln einen Chor errichten und das verfallene Gotteshaus neu erstehen, und stiftete außerdem fünf jährliche Gottesdienste. Etwa hundert Jahre später wurde die Kapelle durch einen Hauptbau und eine Sakristei erweitert. Den Turm mit der spätbarocken Zwiebelhaube entwarf 1792 der Bamberger Hofarchitekt Johann Lorenz Fink, er ersetzte einen hölzernen Dachreiter, der den Wetterbedingungen auf dem Reifenberg nicht gewachsen war. Erkennbare Unebenheiten im hangnahen Mauerwerk deuten noch heute auf den mittelalterlichen Vorläufer einer Burgkapelle hin.

Die Straße zur Vexierkapelle ist eng

Fahre ich aus Forchheim in Richtung Ebermannstadt, grüßt die Kapelle schon von weitem. Auch vom Walberla aus kann ich sie gut sehen. Will ich sie mit dem Auto erreichen, muss ich den engen Weg durch Reifenberg nehmen. Da kommt es durchaus vor, dass die Dorfkatze einfach auf der Straße sitzen bleibt und sich vom Verkehr nicht im Geringsten beeindrucken lässt. Hier ist schließlich ihr Revier. Da hilft nur Langsamkeit, zumal trotz der Enge Gegenverkehr möglich ist. Wer es ruhiger angehen will, lässt das Auto unten im Tal stehen und läuft zu Fuß hinauf.

Der Parkplatz liegt am Waldrand

Oben gibt es einen Parkplatz am Waldrand, von dem aus nur ein kurzer Fußweg bis zur Kapelle führt. Da der benachbarte Keller auf unbestimmte Zeit geschlossen hat, ist meistens genug Platz. Der Blick von hier aufs Walberla lässt den Alltag in weiter Ferne dösen. Eine Frau kommt, grüßt, klinkt an der Kapellentür. Doch die ist geschlossen und öffnet nur zum Gottesdienst. Zwei Jungs schlurfen ums Eck, lümmeln sich barfuß ins Gras, drehen Zigaretten, schwätzen. Hier oben vergeht die Zeit irgendwie langsamer.

Die Stimmung ist hier ganz besonders

Das Walberla im Nebel
Blick auf das Walberla von der Vexierkapelle

Ich sitze gerne dort oben auf der Bank, den Rücken zur Kapelle. Abends geht die Sonne rechts hinter dem Reifenberg unter und strahlt das Walberla feurig an. Morgens hängt noch der Frühnebel im Tal, während oben auf der Ehrenbürg, wie das Walberla offiziell heißt, die Sonne bereits wärmt. Die Gedanken werden frei und weit, der alltägliche Kleinkram bleibt einfach unten. Selbst ein laut dröhnender Motor aus dem Tal stört die Ruhe nicht wirklich.

Was bedeutet der Name Vexierkapelle?

Vexierbild in der Kirche Sankt Nikolaus in Reifenberg

Viele deuten den Namen darauf, dass die Kapelle von allen Seiten gut sichtbar ist und je nach Blickrichtung immer wieder anders wirkt. Doch es gibt noch eine andere Erklärung: Das Wort vexieren stammt vom lateinischen vexare:  plagen, quälen. Ein Vexierbild offenbart sein Geheimnis nicht auf den ersten Blick; wer es sehen will, muss sich ein wenig abmühen. Ähnlich verhält es sich mit den Vexierspielen, jenen Geduldsspielen aus gebogenen Drähten oder Schnüren mit Holzkugeln, die selbst geduldigste Menschen zur Verzweiflung bringen können. Auch in der Kapelle ist ein Bild des Leidens zu sehen: Eine Tafel zeigt die Hände, Füße und das Herz Christi, ein stilles, eindringliches Motiv, das zum Namen passt wie der Schlüssel zum Vexierschloss.

Wanderung zur Vexierkapelle

Mit dem Auto fahre ich übrigens nur dann zum Parkplatz vor der Vexierkapelle , wenn ich dort abends mit Bier und Brotzeit ein kleines Picknick mache. Will ich dagegen wandern, starte ich vom Wanderparkplatz, der oberhalb von Rettern liegt. Von dort geht es zunächst hoch zur Retterner Kanzel und dann über Feld- und Waldwege erst über ein Hochplateau, dann immer südwärts bis zur Vexierkapelle. Von hier aus geht es zunächst bergab und dann immer weiter den Tannenweg entlang. Jetzt ist es nicht mehr weit, geht aber zweimal noch etwas bergauf, bis ich schließlich zurück am Parkplatz bin.

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Meine Empfehlungen für die Wanderung:

Die Route zur Vexierkapelle Reifenberg lässt sich gut mit der KOMPASS Wanderkarte 165 Nördliche Fränkische Schweiz (1:50.000, mit GPS-Daten und App) planen, sie deckt genau das Gebiet rund um Weilersbach, Rettern und das Wiesenttal ab. Wer es noch detaillierter mag, greift zur PhoneMaps Wanderkarte Fränkische Schweiz 1:25.000, die auf reiß- und wasserfestem Papier gedruckt ist.

Für das Abendpicknick oben auf dem Reifenberg nehme ich übrigens gerne meine Carl Henkel Arca X-Tract mit, heißes Wasser in die Thermoskanne, gemahlener Kaffee in die Glaskanne, und oben auf der Bank beim Sonnenuntergang schmeckt er einfach besser als überall sonst. Kein Filterpapier, kein Plastik, kein Aufwand.

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