Der Storchenlehrpfad in Uehlfeld: Stiefeln durch den Aischgrund
Fliegt ein Storch am Himmel, freuen sich die Menschen. Damit er auf dem Dach oder Schornstein sein Nest bauen und dort brüten kann, hieven sie extra für ihn ein Rad nach oben. Und weil eine Sage berichtet, dass der Storch als Bote von Frau Holle durch die Lande fliegt, aus ihrem Teich die Kinder holt und zu den Menschen bringt, steht der schwarz-weiße Vogel mit den roten Beinen vor der Hebammenpraxis als Maskottchen und Symbol der Fruchtbarkeit.

Nirgendwo in Franken erlebt man das eindrucksvoller als in Uehlfeld. Die mittelfränkische Gemeinde gilt als „Storchenhauptstadt“. Mit über 50 Nestern und in guten Sommern mehr als 250 Störchen ist Uehlfeld bayernweiter Rekordhalter. Wer noch tiefer eintauchen möchte: Der Bayerische Rundfunk hat der Storchenhauptstadt im März 2025 in der Reihe “Versteckte Paradiese” eine eigene Dokumentation gewidmet. Filmautorin Angelika Vogel begleitet darin den “Storchenvater” und Meerrettichbauern Gerhard Bärthlein durchs Jahr – allein auf den Scheunen seines Hofs mitten in Uehlfeld brüten fünf Storchenpaare. Die Doku “Die Storchenhauptstadt im Aischgrund” ist in der ARD Mediathek abrufbar.
Wer die Störche selbst erleben möchte, kann das auf dem Uehlfelder Storchenlehrpfad, einem Rundweg, der direkt an vielen Nestern vorbeiführt.
Ein Schauspiel, das sich dabei immer wieder beobachten lässt: Fährt gerade ein Traktor mit Kreiselmäher über eine der Wiesen im Aischgrund, ist es fast sicher, dass kurz darauf die Störche auftauchen. Stelzbeinig und in typischem Storchgang staksen sie dem Mähwerk hinterher, schließlich legt frisch gemähtes Gras Mäuse, Frösche und Insekten frei. Das ist für die Vögel wie ein gedecktes Buffet. Wer Glück hat, sieht dieses Zusammenspiel aus Landwirtschaft und Storchenjagd direkt vom Weg aus.
Auf einen Blick
– Start/Ziel: Voggendorfer Felsenkeller, Mühlenstraße, 91486 Uehlfeld
– Länge: 7,5 km
– Dauer: ca. 2–3 Stunden
– Schwierigkeit: Eben, kinderwagen- und teilweise rollstuhlgeeignet
– Einkehr: Voggendorfer Keller / Brauereigasthof Prechtel
– Beste Zeit: Frühjahr bis Herbst (dann sind die Störche vor Ort), ganzjährig begehbar
– Tipp: Kaum Schatten unterwegs, daher Sonnenschutz mitnehmen
Der Weg durch den Aischgrund

Im Aischgrund bei Höchstadt reiht sich ein Karpfenweiher an den anderen: Sie bieten neben Karpfen auch Fröschen, Libellen, Möwen, Graureihern und Kormoranen und eben auch Störchen eine willkommene Heimat. Vor dem Biergarten in Voggendorf steht eine Tafel: Hier beginnt der Storchenlehrpfad.
Wer dem Storch etwas näher kommen will, nimmt diese Tafel als Ausgangspunkt und begibt sich auf die Rundwanderung. Der Storch auf dem Schild zeigt den Weg. Nur gegen Ende der Wanderung verlässt sich der Storch sehr darauf, dass der geneigte Wanderer den Rest des Weges bitte alleine finden möge. Doch bis dahin sind einige Kilometer zu laufen. Immer wieder stehen große Tafeln am Weg und informieren über alles, was es rund um die Störche zu wissen gibt.
Der Storchenlehrpfad selbst verläuft auf hübsch flachem Gebiet, es ist hier überhaupt nicht bergig. Selbst an nordische Tiefebenen gewohnte Menschen würden sich hier wohl fühlen, zumal immer wieder Möwen pfeilschnell über den Himmel jagen.
Gute Sicht von oben

In Demantsführth wartet eine Aussichtsplattform auf den Wanderer, die einem überdimensionierten Storchennest recht ähnlich sieht. Hier lässt sich ebenfalls gut rasten, beobachten, frühstücken und gucken. Nicht weit entfernt ist schon Uehlfeld zu sehen: Die Störche fliegen zu ihren Nestern, starten wieder, kreisen, landen auf der Wiese, storchen in ihr herum und suchen Futter. Unter der Plattform stehen Pferde, rupfen Gras und kauen. Wer selbst etwas zu essen im Rucksack trägt, kann ebenfalls futtern.

In der Ferne sind auf den Dächern wirklich Störche zu sehen. Und so führt der Storchenlehrpfad bis nach Uehlfeld direkt in den Ort und in Schleifen hindurch. Da es für einige Zeit dabei an der Bundesstraße entlanggeht, wird es laut. Das stört nicht nur den ruhesuchenden Wanderer, sondern offensichtlich auch die dortigen Bewohner: Vor einem Haus steht eine Bank mit Schild: „Ifelder Plärrer“. In Uehlfeld selbst wird es leider etwas unübersichtlich: Das nächste Schild versteckt sich nämlich an einem schmalen Weg und führt direkt neben dem Friedhof vorbei. Später führt der Weg nach links und an einem malerischen Bach entlang, doch auch hier ist die Beschilderung nicht eindeutig. Wer sicher zum Ausgangspunkt nach Voggendorf gelangen will, nimmt einfach die Straße und geht zurück. Die verdiente Brotzeit gibt es dann dort auf dem Bierkeller.
Meister Adebar: Zugvogel, Glücksbringer, Bierbremse
Jedes Frühjahr kommen die Störche aus ihrem Winterquartier in südlichen Regionen zurück. Ab dann ist in Uehlfeld wieder jede Menge Betrieb, fast wie am Flughafen. Im Herbst geht es zurück in den Süden, die Jungstörche fliegen mit ihren Eltern.
Nicht immer läuft das Zusammenleben mit den gefiederten Nachbarn reibungslos: Bei einer Brauerei im Ort baute ein Storchenpaar sein Nest ausgerechnet auf dem Schornstein. Das hatte zur Folge, dass die Bierproduktion so lange stillstand, wie die Vögel dort brüteten und ihre Jungen aufzogen. Erst als die Störche im Herbst wieder abgeflogen waren, wurde das Bierbrauen nachgeholt. Bis dahin gab es Nachschub aus dem Lager.
Praktische Infos
– Livecam: Storchennest in Höchstadt a.d. Aisch, online zu jeder Zeit zu beobachten
– Anreise mit Öffis: Aischgründer Bierexpress, Linie 127 zwischen Höchstadt und Neustadt an der Aisch
– Einkehr: Voggendorfer Keller, Brauereigasthof Prechtel in Uehlfeld
Ganz in der Nähe
Wer schon dabei ist: Nur wenige Kilometer entfernt führt der Karpfenwanderweg im Aischgrund durch dieselbe Teichlandschaft, beide Wege kreuzen sich sogar direkt am Uehlfelder Karpfenwanderweg. Ein schöner zweiter Ausflug in dieselbe Ecke.