111 Sachen in Franken machen Oberfranken

Im Paradiestal wandern

Das Paradiestal ist nicht weit von Bamberg entfernt: Hier kann ich im Himmel zur Probe wohnen, oder wenigstens zur Probe laufen. Weil wir die Kühle des frischen Tages nutzen wollten, ging es schon früh am Morgen los. Das Tal liegt auf halbem Wege zwischen Bamberg und Bayreuth, dort, wo die Orte zu klein für Straßennamen sind und die Häuser Nummern tragen.

Auf einen Blick

Lage: zwischen Bamberg und Bayreuth, nahe Treunitz
Länge des Tals: ca. 6 km
Rundweg: ca. 11,5 km
Dauer: ca. 3 Stunden
Schwierigkeit: leicht, überwiegend ebene Wiesen- und Waldwege
Startpunkt: Parkplatz kurz vor Treunitz
Markierung: blauer Kreis
Besonderheit: beliebtes Klettergebiet mit vielen benannten Felsen

Hier gehts zum Papradiestal
Wegweiser zum Paradiestal

Das Paradies liegt in Oberfranken

Seit die Menschen aus dem Paradies vertrieben wurden, sehnen sie sich dorthin zurück. Nach Ursprünglichkeit, Schönheit und dem verlorenen Garten. Kurz vor Treunitz liegt rechts ein Parkplatz. Von hier ist es nicht mehr weit. Doch zwischen Fels und Straße bleibt nur ein fußbreiter Randstreifen. Hoffentlich biegt jetzt kein Auto hurtig ums Eck, als Kühlerfigur mag ich nicht enden. Es geht gut und das Tor zum Paradies steht weit offen. Kaum betreten wir den mit blauem Kreis markierten Wiesenpfad, liegt Stille über dem Tal. Nur die Vögel zwitschern.

Weg durch das Paradiestal
Wiesenweg im Paradiestal

Im Paradiestal gibt es für viele Arten ein persönliches Paradies

Widderchen - gehört zur Familie der Schmetterlinge
Ein Widderchen nascht Nektar

Felsen säumen den dichten Wald, rechts wie links. Manche sind durchlöchert, als nisteten Bienen darin. Ein eigener Weg? Fehlanzeige. Das breite Tal ist selbst der Weg: eine Wiesenautobahn für Fußgänger, gefurcht von Treckerspuren. Auf einer lila Blüte sitzt ein Widderchen, das Blutströpfchen. Sein kleines Paradies: Nektar.

Die Felsen tragen Namen und sind ein Kletterparadies

Silberwand im Paradiestal
Silberwand

Ein Felskopf schaut wie ein versteinerter Löwe ins Tal. Er hat einen Namen: Silberwand.

Trägt er ihn wegen der silbern glänzenden Haken im Gestein? Das Paradiestal ist auch ein Paradies für Kletterer: Überall ragen bizarre Formationen auf, die gerne bestiegen werden. Viele Routen sind mit Haken ausgestattet, Plaketten mit der Rufnummer der Bergwacht hängen daneben. Wer stürzt, weiß sofort, wen er ruft. Hinter jeder Biegung neue Türme. Die schönsten Felsen sind vom Bewuchs befreit – damit sie jeder sehen kann.

Das blaue Meer

Im Blauen Meer steht kein Wasser, schließlich ist das Tal ein sogenanntes Trockental. Stattdessen blühen im Frühsommer Vergissmeinnicht und färben das Grün himmelblau. Unter dem Felsüberhang, der sich jetzt hinter Brennnesseln verbirgt, sammelt sich nur zur Schneeschmelze und nach Starkregen Wasser. Dann soll es türkis schimmern. Sonst bleibt es trocken, und nur manchmal schlängelt sich ein kleines Rinnsal durchs Tal.

Im Paradies ist Rucksackverpflegung angesagt

Ein Engel im Paradiestal

Das Tal biegt links ab. Rechts, unter einem Felsen, liegt ein Keller, in dem früher Eis und Bier gelagert wurden. Der Bau wirkt zwar saniert, doch ein festes Gitter verschließt den Zugang. Essen und Trinken gibt es nicht im Paradies. Wer Hunger oder Durst bekommt, sollte beides im Rucksack tragen.

Meine Begleiterin trägt Engelsflügel und vergleicht das Paradiestal mit dem Computerspiel Final Fantasy. Dort, wo sich ein Tal verengt und der Weg scheinbar endet, würden im Spiel die Monster lauern. Uns begegnet mitten auf dem Weg nur ein toter Maulwurf.

Kurz darauf wird das Paradies wildromantisch. Am Langenstein klettern sogar an milden Wintertagen manchmal Menschen.

Kletterer in einer Felsenwand im Paradiestal
Langenstein im Paradiestal – Wer findet den Kletterer?

Nebenan ist die Hölle los

Wie im wirklichen Leben liegt gleich neben dem Paradies die Hölle: Links des Weges tost die Bundesautobahn A70 von Bamberg nach Bayreuth.

Hölle am Paradiestal
Die Autobahn A 70 geht ein kurzes Stück am Paradiestal entlang

Am Wochenende ist zwar weniger Verkehr, laut bleibt es trotzdem. Rechts zieht sich eine endlos scheinende Photovoltaikanlage hin, hinter Stacheldraht, von Kameras bewacht. Der Rundweg mit blauem Kreis führt am Ende zwischen zwei solcher Felder hindurch – und weg von der Autobahn. Wenn die Vögel den Lärm übertönen wollen, müssen sie laut singen. Werden sie dabei nicht schwerhörig?

 

Rundum Natur im Paradiestal

Wiesenweg im Paradiestal

Das Paradiestal misst sechs Kilometer. An der breitesten Stelle sind es 200 Meter, im Schnitt liegen jedoch nur 50 bis 80 Meter zwischen den bewaldeten Hängen. Rundum ist Natur: Holunderbüsche, Eichen, Ahorn, Tannen, Birken säumen das Tal.

Wir möchten uns sattsehen, doch wir sind nicht allein: Bremsen verfolgen uns. Anders als ihr Name verspricht, machen sie Tempo. Also eilen wir über frisch gemähtes Wiesengras, kürzen ab, statt auf dem Hauptweg zu bleiben. Auf dem Asphalt heißt es: Augen auf. Die Raupen des Kleinen Fuchs sind flink. Auf sie wollen wir nicht treten.

Es gibt mehrere Zugänge zum Paradiestal

Bildstock aus Sandstein im Paradiestal
Marterl (religiöser Bildstock) im Paradiestal

Unser Weg führt an fast reifen Feldern vorbei zurück auf die blau markierte Route. Im Hintergrund liegt ein weiterer Parkplatz. Auch von dort gelingt der Einstieg gut. Das Engelchen stützt am Rastplatz eine Säule, die Bänke stammen aus der Werkstatt Himmelkron.

Eine Obstbaumallee begleitet uns weiter. Wir rätseln – bis klar ist: Walnüsse! Auch Birnen, Kirschen und Pflaumen wachsen. Und was darf im Paradiestal nicht fehlen? Richtig: Äpfel.

Durch märchenhaften Wald geht es weiter

Der Weg führt in den Wald

Wir tauchen in einen Märchenwald ein. Unter den Tannen liegt ein weicher Moosteppich, an den Zweigen hängen lange Moosbärte. Es fehlt nur noch Rotkäppchen, das am Wegrand Blumen pflückt und dem Wolf begegnet. Der Wald ist so dicht, dass die Sonne nur am Rand bis auf den Boden fällt. Ein kurzer, steiler Pfad führt hinab nach Treunitz. Das Dorf nennt sich Pfifferdorf. Pfiffer ist fränkisch und heißt Pilz.

Kurz geht es wieder direkt an der Straße entlang. Links fließt die Wiesent, deren Quelle nicht weit ist, rechts stehen Felsen. Bald biegt ein Feldweg ab und führt über das Flüsschen. Jetzt sind es nur noch wenige Meter bis zum Parkplatz. Schön war es im Paradies. Und weil es nah liegt, komme ich gerne wieder.

Meine Empfehlungen für den Ausflug ins Paradiestal

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Für Anfahrt und Rundweg lohnt eine gute Wanderkarte der Fränkischen Schweiz. Darauf sind auch die Nebenzugänge rund um Treunitz verzeichnet.

Verpflegung gibt es im Paradiestal nicht. Wer Hunger oder Durst bekommt, packt vor. Eine leichte Trinkflasche mit Isolierung hält das Wasser kühl. Dazu passt eine kompakte Vesperbox für die Rast.

Die Bremsen im Tal sind hartnäckig. Ein natürliches Insektenschutzmittel gehört in den Rucksack.

Wer Felsen und Kletterer lieber aus der Ferne beobachtet, nimmt ein kleines Fernglas mit. An Silberwand und Langenstein gibt es viel zu sehen.

Weil der Weg oft über offene Wiesen führt, ist ein guter Sonnenschutz an heißen Tagen Pflicht.

FAQ

Wie lang ist die Wanderung durchs Paradiestal?
Das Tal ist etwa 6 km lang, der Rundweg rund 11,5 km. Mit gemütlichem Tempo braucht man etwa 3 Stunden.

Wo startet die Wanderung im Paradiestal?
Der Hauptzugang liegt an einem Parkplatz kurz vor Treunitz, direkt an der Straße. Ein zweiter Parkplatz und Einstieg befindet sich weiter im Hintergrund des Tals.

Wie schwer ist die Wanderung?
Leicht. Überwiegend ebene Wiesen- und Waldwege, nur der Abstieg nach Treunitz ist kurz und etwas steiler.

Gibt es unterwegs Einkehrmöglichkeiten?
Leider nicht. Im Paradiestal gibt es keine Verpflegung. Am besten etwas in den Rucksack packen.

Ist das Paradiestal auch für Kinder geeignet?
Definitiv. Die ebenen Wiesenwege sind familienfreundlich. Wegen der nahen Felsen und der Autobahn am Rand sollten Kinder in der Nähe bleiben.

Ist das Paradiestal auch zum Klettern geeignet?
Ja. Viele Felsen sind mit Haken ausgestattet und tragen Namen wie Silberwand oder Langenstein. Notfallplaketten mit der Rufnummer der Bergwacht hängen an mehreren Stellen.

 

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