Aischgrundkarpfen gebacken
Mittelfranken

Karpfen im Aischgrund

Wie in der Bewegung erstarrt liegt der Karpfen auf dem Teller, den Schwanz hoch in der Luft. Das macht er aber nur, wenn er ganz frisch geschlachtet wurde, verriet mir der Koch auf die Nachfrage. Das ist mein halber Aischgründer Karpfen, von einer knusprigen Panade umhüllt. Wer hier in Franken heimisch werden will, muss den Karpfen wenigstens einmal probieren. Der Geheimtipp der Einheimischen ist eine Wirtschaft in Trailsdorf mit dem Charme einer früheren Bahnhofsgaststätte: Eine lange Bank zieht sich an der Wand unter den Fenstern entlang, daran stehen fünf schmucklose Tische mit Stühlen. Hier gibt es Karpfen, gut und preiswert. Doch zuerst wird der Salat serviert. Die Böhnchen schmecken säuerlich und quietschen beim Kauen zwischen den Zähnen. Dieses Erlebnis hatte ich vor weiß-nicht-wie-vielen-Jahren als Kind das letzte Mal, jedenfalls gab es solche Salate bei Oma.

Der Spiegelkarpfen aus dem Aischgrund ist mit einem Auto verglichen eher ein 2CV als ein schnittiger Porsche. Das behäbige Aussehen kommt daher, dass die Bischöfe in der Fastenzeit kein Fleisch, wohl aber Fisch essen durften. Doch um Himmels Willen bitte nicht mehr, als auf den Teller passt… Deswegen wurde der Karpfen mit einem eher runden Buckelrücken gezüchtet, so wie er heute noch ist. Der Kartoffelsalat wird in einem Schälchen daneben serviert, passt ja nichts weiter außer dem Karpfen auf den Teller.

 

Karpfen Innereien: Ingreisch

Karpfen Innereien: Ingreisch

 

Als Leckerbissen, oder Schmeckewöhlerchen, wie es im Hessischen heißt, wird Ingreisch serviert. Das ist eigentlich eine Igitterei, nämlich Innereien, genauer gesagt: Der Rogen, also die Samenstränge des männlichen Karpfens, werden in ein Gemisch aus Semmelbröseln und Mehl gesteckt, in Fett ausgebacken, gesalzen und gepfeffert. Es kostet ein wenig Überwindung das zu essen, doch wenn ich ehrlich bin, habe ich lediglich die Panade geschmeckt, vom Rest war wenig zu spüren.

Der Koch wieselte herbei, räumte die Teller ab,ging in die Küche, kam aber noch einmal heraus und teilte mir mit, dass ich das leckerste Stück vom Karpfen verschmäht habe,nämlich das, welches hinter den Kiemen steckt. Nun gut, beim nächsten Mal.
Den Karpfen gibt es in allen Monaten, die sich mit einem „r“ schreiben, also von September bis April. Da gibt es ja noch genügend Gelegenheiten, auch das Fleisch in den Karpfenbacken zu probieren.

2 Kommentare

  1. Oh, lecker! Ingreisch gibt’s ja fast nirgends mehr. Dabei ist das das Allerbeste am Karpfen.
    LG Anke

    • Sylvia und Ronald

      Wenn Du einen Platz in der Wirtschaft reservierst, kannst Du es gelegentlich vorbestellen. Dann kriegst Du es auch.

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