Oberfranken

Grenzgänger in Mödlareuth

Museum der ehemaligen Grenzanlage der innerdeutschen Grenze in Mödlareuth

Der kleine Tannbach fließt mitten durch das kleine Dorf Mödlareuth. Im 16. Jahrhunderts wurde er zur Grenze zwischen zwei Grafschaften. Warum? Das weiß heute niemand mehr. Vielleicht war es so bequemer für die Herrschaften, vielleicht wollte es sich auch der Landvermesser einfacher machen.

Grenzmauer mit Wachturm an der ehemaligen innerdeutschen Grenze in Mödlareuth
Grenzmauer der ehemaligen innerdeutschen Grenze in Mödlareuth

Tannbach wird Grenze in Mödlareuth

Jahrhundertelang spielte die Grenze für die Mödlareuther auch keine Rolle: Sie bauten hüben und drüben ihre Häuser, bestellten hüben und drüben ihre Felder, saßen gemeinsam in Schule und Kirche, heirateten, bekamen Kinder und starben. Das ging lange gut – und hätte auch genauso weiter gehen können. Leider gab es einen Krieg, an dessen Ende das Land zwischen den Siegern geteilt wurde. Der eine Teil des Dorfes gehörte zur amerikanischen Besatzungszone, der andere Teil zur sowjetischen Besatzungszone. Auch wenn die Bewohner jetzt Passierscheine vorweisen mussten, wenn sie den Tannbach und damit die Grenze überqueren wollten, ging das Leben zunächst fast so weiter, wie bisher. Die Felder wurden bestellt, die Kühe gemolken und die Kinder gingen zur Schule.

Innerdeutsche Landesgrenze
Ehemalige Landesgrenze der DDR in Mödlareuth

Die Grenze wird zur Mauer

Aus diesen Besatzungszonen entstanden zwei unterschiedliche Staaten. Einer von ihnen wollte die Menschen am Weglaufen hindern – und machte seine Grenzen dicht. Überall entstanden große Zaunanlagen und in Berlin eine Mauer. Auch quer durch Mödlareuth bauten Soldaten eine 700 Meter lange und drei Meter hohe Mauer. Sie sollte verhindern, dass die Menschen in Mödlareuth-Ost sehen konnten, wie es den Menschen in Mödlareuth-West ging. Sie durften weder nach drüben winken, noch grüßen. Ein Grenzzaun mit Mauer und allem, was dazugehört, trennte das Dorf. Während West-Mödlareuth von den Amerikanern als „little Berlin“ bezeichnet wurde und ein recht reger Grenztourismus einsetzte, mussten die Ost-Mödlareuther streng bewacht unter sich bleiben. Wer auf dieser Seite nach Mödlareuth wollte, brauchte einen Passierschein. Und wer aus der Sicht der DDR-Oberen unzuverlässig war, wurde zwangsweise umgesiedelt.

Streckmetallzaun mit Stacheldraht
Streckmetallzaun der ehemaligen innerdeutschen Grenze

Aktion „Ungeziefer“

Der Besitzer der Oberen Mühle sollte ebenfalls seine Sachen packen. Auf zwei LKWs hätte er seine Möbel verstauen können. Doch er floh mit seiner Familie lieber in den Westen. Jahre später floh ein anderer Mann und nutzte dafür die Deckung der Unteren Mühle. Von dieser sind heute nur noch die Reste der Grundmauern zu sehen.

Museum der ehemaligen Grenzanlage der innerdeutschen Grenze in Mödlareuth
Deutsch-Deutsches Museum in Mödlareuth

Freilichtmuseum Mödlareuth

Heute steht immer noch ein großer Teil der Mödlareuther Mauer: Sie ist jetzt Teil des Deutsch-Deutschen Freilichtmuseums. Jeder, der mag, kann zwischen Mauer und Stacheldraht spazieren, in den Wachturm steigen oder sich in einen Bunker zwängeln. Die Autos auf dem Parkplatz kommen aus der gesamten Bundesrepublik, wie die Nummernschilder verraten. Doch der Zungenschlag der Besucher klingt eher ostdeutsch. Nun ist unser kurzer Besuch sicher kein repräsentativer Querschnitt, aber andererseits kann ich mir schon vorstellen, dass die ehemaligen Ostdeutschen an dieser Geschichte interessierter sind. Immerhin waren sie es, die unter einer Diktatur und den damit verbunden Einschränkungen leben mussten. Für die Westdeutschen war die Mauer in Mödlareuth eher ein Kuriosum. Die Schulkinder wurden pflichtgemäß dorthin geführt, Politiker schauten vorbei, aber niemand von ihnen war durch die Mauer ernsthaft in seinem Leben eingeschränkt.

Mahnmal an der ehemaligen Grenze in Mödlareuth
Nur wer die Vergangenheit kennt, wird die Gegenwart verstehen

Dokumentarfilm im Museum

Wie es denn früher so war, wollte ein kleines Mädchen wissen. Die Oma antwortete: „Warte ab, wir gucken den Film. Da siehst du genau, wie alles damals ausgesehen hat!“ An der Kasse sitzt eine Frau aus Mödlareuth. Sie erzählt, dass auch Geschwister durch die Grenze getrennt wurden. Einer von ihnen durfte winken, der andere nicht. Im Museum sind Uniformen, Orden und alte Passierscheine ausgestellt. In einer Vitrine liegen präparierte Langlaufschuhe, mit deren Hilfe jemand den Streckmetallzaun der Grenze überklettern wollte. Spähpanzer, Militärlastkraftwagen, ein Hubschrauber und andere Fahrzeuge parken in einer Scheune. Den Parkplatz bewacht ein alter Panzer. Heute dient er als Fotomotiv und Kletterobjekt: Link zum Bild.

Lage von Mödlareuth auf der Karte

Informationen zum Deutsch-Deutschen Freilichtmuseum in Mödlareuth.

Link zum geschichtlichen Hintergrund der ehemaligen Grenze in Mödlareuth

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